Montag, 30. März 2015

Nein, vor den Menschen auf Kreta muss man keine Angst haben !

Uns stören immer wieder die einseitigen Presseberichte über die Situation in Griechenland, sodaß unerfahrene Reisende Ressentiments von der einheimischen Bevölkerung befürchten könnten.

Dabei ist von den Griechen und insbesondere den Kretern keinerlei Fremdenhass zu spüren - auch nicht gegen Deutsche.

Die Gastfreundschaft ist dem Kreter weiterhin ein hohes Gut und er möchte ebenso wie wir ein Leben mit Anstand und Würde führen und mit seiner Hände Arbeit für seine Familie sorgen können.

Ich will gar nicht mehr dazu schreiben, sondern den lieben Menschen dort nur ein Gesicht geben :

(zum Vergrössern Bilder anklicken )


Handarbeitende Frauen in Kavousi


Ladenbesitzerein in Limnes


Gemüsebauer Stavros aus Kalo Chorio
Obsthändler in Lasithi
Ein Dorfbewohner schenkt uns etwas von seinem Obst
Ladenbesitzer mit seinen Enkeltöchtern in Episkopi
Rentner im Kafeneion von Lastros
Tavli spielende Männer in Kavousi
Fahrender Händler im Bergdorf


vor einem Kafeneio in Voulismeni



Bildunterschrift hinzufügen
Kafeneio in Marmaketo
Besitzerin des Kafeneios in Marmaketo




Ladenbesitzer in Bergdorf
Auf dem Dorfplatz in Stavrochori
Häkelnde Frau in Limnes
Bewohner von Limnes


Kafeneion in Heraklion
Alte Frauen lesen die Todesanzeigen in Latsida


Dorftreff vor der Kirche


Blechschmied in Neapoli


Alte Frau in Agios Nikolaos


In einem Pantopolion in Stavrochori
Frau vor ihrer Haustüre
Spielende Kinder in Skopi
Geflügelhändler in Arkalochori


Die Kinder des Geflügelhändlers
Lachende Frauen in Kroustas


Ladenverkäuferin in Kroustas
Männer im Schatten


Familie am Nachmittag  in Fourni
Männer in Skopi
Frauen in Skopi



Ladenbesitzer in Arkalochori
Am Periptero in Kavousi

Sonntag, 29. März 2015

Bei "Crazy Manoli" in Zenia nahe Lasithi Kreta



Jetzt den aktualisierten Bericht in unserem neuen Blog lesen:

Manoli-in-Zenia-auf-dem-Weg-nach-Lasithi/ 


Über die vielen Jahre hinweg sind uns natürlich auch viele Menschen auf Kreta ans Herz gewachsen und wir versäumen es dann auch nicht, sie jedes Jahr zu besuchen.

In einigen Fällen würden wir auch gerne mehr für sie tun wollen, damit z.B. die Geschäfte besser laufen.

Einer von diesen besonderen Menschen ist Manolis - mittlerweile auch als "Crazy Manolis" in einzelnen Internetartikeln beschrieben.



Ein wenig verrückt muss man aber auch schon sein, um sich jedes Jahr neue Dinge einfallen zu lassen, die vorbeifahrenden Touristen zur Einkehr in sein Lokal zu bewegen .




Der Weg von Agios Nikolaos oder Neapoli in die Lassithi-Hochebene führt durch mehrere kleine Dörfer, die zwar idyllisch aussehen aber häufig noch nicht einmal mehr ein Kafeneio haben, wo man mal eine Pause einlegen könnte.
Kurz vor dem Dorf Zenia aber hat Manolis seit rund zwanzig Jahren sein kleines Ausflugslokal, welches keiner der Durchreisenden einfach links, beziehungsweise rechts liegen lassen sollte.



Über all die Jahre hat Manolis sein kleines Geschäft immer mehr erweitert, hat mit immer neuen und oft ausgefallenen Ideen seinen Einfallsreichtum gezeigt, seinen Gästen etwas zu bieten, was man nicht überall findet.




Es ist schwer zu beschreiben, was man bei Manolis alles sehen oder kaufen kann.


 




Da ist zuerst einmal die Restauration mit Tischen und Stühlen unter dem schattenspendenen Wein - hier kann man entweder seinen Kaffee, einen vor den Augen frisch ausgepressten Orangensaft oder aber auch die selbstgemachten alkoholischen Schnäpse wie Raki und Tsikudia geniessen.

Dazu oft ein Tellerchen mit frischem Obst.
Gelegentlich wirft Manolis auch ein hölzernes Geduldsspiel  auf den Tisch und bietet seinen Gästen dazu noch einen lustigen Freizeitspass. Wir haben bis jetzt noch niemanden geshen, der es nicht probiert hätte, das kleine Rätsel zu lösen.


Desweiteren bietet Manolis in zwei offenen Räumen auch alles - aber wirklich alles an touristischem Nippes an, den man sich nur denken kann, von der Ansichtskarte bis zum Zorbasfigürchen -vom hellblauen Gipsdelfin bis zum kretischen Webteppich -  hat Manolis alles auf Lager.


Und wer gerne stöbert, findet oft auch etwas Passendes. - Ach ja, die hölzernen Geduldsspiele kann man selbstverständlich auch kaufen und natürlich haben wir auch so welche nach Deutschland mitgenommen.

Über eine Aussentreppe gelangt man auf eine kleine Dachterrasse, wo Manolis Jahr für Jahr sein kleines Museum ausweitet.
Alles was man gemeinhin nach jahrelangem Gebrauch im ländlichen Bereich auf den Müll werfen könnte, hat der eifrige Mann irgendwie hergerichtet und seinem Kleinod angepasst.

 


Übrigens: Die hellblauen Lamellen-Fensterläden, die er auf den Wänden als Dekoration angebracht hat, stammen von unserem Haus.
Nachdem wir neue Fenster und Schlagläden bekommen hatten, haben wir ihm unsere alten geschenkt, die er dankbar annahm !

Auf der gegenüberliegenden Strassenseite hat er einen kleinen Pavillon mit Tischen und Stühlen ausgestattet und dem Hinweis:  
Hier Kostenloses Picknick !

Man darf also tatsächlich seine selbst mitgenommene Verpflegung hier verzehren ohne daß es jemanden stört.

Natürlich ist der Hintergedanke, daß man auch mal in das Geschäft reinschaut. - Das finden wir auch mehr als fair !
Es gibt Schaukeln und jedes jahr andere Spielgeräte für Kinder.
Irgend ein ausrangiertes Spielzeug wird er auch in diesem Winter wieder fit gemacht und in sein Anwesen integriert haben.

Vor ein paar Jahren hatte er auch einen Esel, den ihm ein Bauer vermacht hatte.
Ein ausgedienter Motorschlepper steht auch zur Dekoration herum und am Geländer zum Tal hat er handelsübliche Ferngläser auf Pfosten montiert, damit jeder mal in die Ferne blicken kann - aber auch Zwillen fürs Zielschiessen.
Es gibt einen Wunschbrunnen, in den man eine Münze werfen kann - eine kleine Windmühle, eine Rutschbahn und wer weiss nicht alles.


In seinem Laden kann man in Manolis persönlichem Fotalbum blättern , kann sehen, wie der Ort im Winter eingeschneit ist und wie Manolis die touristenlose Zeit nutzt, um neue Dinge für seinen Platz zu bauen.

Es lohnt sich immer, bei ihm gutes Olivenöl aus eigener Produktion zu kaufen und eine Flasche Raki mit oder ohne Honig und eine Flasche des starken kretischen Rotweins - alles in der Region selbstgemacht und meist in einfachen Wasserflaschen abgeüllt.



Bis vor einem Jahr hat Manolis auch immer sehr gerne von seinem Grossvater, dem alten Manoli erzählt, der hier auf Postkarten und Kühlschrankmagneten abgebildet ist.

Der alte Mann war zuletzt zwischen 104 und 106 Jahren alt und immer noch als Löffelschnitzer in seiner Kate einen Kilometer bergauf aktiv.


Der alte Löffelschnitzer schärft sein Werkzeug

Um sein wahres Alter woben sich Legenden - auf einem von Manolis handgeschriebenen Plakaten wurde das Alter jedes Jahr überschrieben - zum Schluss war es wohl die 106 - beim Alten in der Vitrine hing ein Zetttel mit 104 - aber letztendlich war es egal, denn wenn man Grossvater Manoli und seine  90 jährige Frau Eleni aufgesucht und einen noch von ihm handgeschnitzten Löffel erworben hatte, war man einfach nur beeindruckt von der Begegnung mit diesen einfachen, fleissigen und würdevollen Menschen, die noch aus einer Zeit stammten, die uns schon viele Generationen entfernt scheint.

Manoli und Eleni vor ihrer Kate


Manoli und Elisabeth unterhalten sich
Als meine über 80 Jahre alte Mutter uns einmal auf Kreta besuchte, mussten wir mit ihr natürlich auch zum alten Löffelschnitzer und es war herzerweichend zu sehen, wie sich diese beiden Menschen ohne jegliche Fremdsprechenkenntnisse miteinander unterhalten haben.

Aber Eleni ist die Chefin und kassiert das Geld
Grossmutter Eleni

Der alte Manoli ist im September 2013 im Alter von 107 Jahren gestorben - nur zwei Monate später folgte ihm seine Eleni im Alter von 93 Jahren.

Es war schön, diese beiden Alten noch kennengelernt zu haben.

Ein interessanter Bericht mit Bildern und Interview über die beiden Alten findet sich übrigens auch hier:

http://www.kreta-umweltforum.de/Merkblaetter/263-08%20Loeffelschnitzer%20in%20Zenia.pdf 

Noch einmal zurück zu Manolis und seinem kleinen Geschäft.

Auch er hat in den letzten Jahren schwer zu kämpfen mit der Krise.
Noch mehr wirkt sich aber der veränderte Tourismus aus:

Immer weniger Urlauber machen sich zu einem Ausflug in die Lasithi-Ebene auf den Weg.
Und von denen sieht man einige häufig schon zur frühen Mittagszeit den Berg wieder hinunterfahren und oft auch nur an Manolis Staion vorbei.

Es hat den Anschein, daß sie wirklich nur noch die im Reiseführer aufgelisteten Sehenswürdigkeiten der Insel abarbeiten wollen - in diesem Falle wäre das die Höhle von Psychro .

Viel erlebnisreicher wäre es aber sicher gewesen, für den Ausflug auf die Hochebene einen ganzen Tag einzukalkulieren und dafür auch mal das pauschale Hotelessen sausen zu lassen, dann hätte man in einem der über 10 Dörfer wirklich Land , Leute und Leben kennenlernen können.

Samstag, 28. März 2015

Link zu Videoclip Kreta: Hersonnisos Crete - The Power of Legacy

Dieses Video habe ich gerade entdeckt und mich für 6 Minuten wieder in eine andere Welt treiben lassen.

Just found at YouTube- lovely clip about Crete - 6 minutes to dream a little bit ....

Sehenswert für alle Kreta-Freunde und die , die es noch werden können.

Hersonissos Crete - The Power of Legacy 

Donnerstag, 26. März 2015

Kreta - Bilder aus vergangener Zeit

In über zwanzig Sommern auf Kreta haben wir unzählige Fotos gemacht und noch heute können wir uns recht gut an die Augenblicke erinnern, in denen wir auf Menschen der Insel trafen, die heute schon lange nicht mehr unter uns weilen.

Mit ihnen ist meist aber auch die Geschichte drumherum verschwunden.

Jetzt - nach eigentlich noch nicht so langer Zeit - stellen wir selbst beim Betrachten der Bilder fest, wie Vieles sich mittlerweile verändert hat.

Deshalb habe ich noch ein paar alte Fotos eingescannt - vor 20 Jahren hat man nun mal noch nicht digital fotografiert. 

Zacharias in Seli-Ambelu

Wer heute über den Seli-Ambelu-Pass das Tor zur Lassithi-Ebene erreicht, der sieht auf dem Bergkamm eine grosse Zahl velassener und verfallener Windmühlen stehen.

An einer sieht man noch den verblassten Schriftzug "Zacharias" prangen .

Die alte Mühle am Seli-Ambelu-Pass in Lasithi


Ende der 1990er Jahre hauste dort noch der alte Müller Zacharias. 
Er hatte seine Mühle zu einem kleinen Postkarten- und Andenkenlädchen umgebaut hatte, in dem er auch wohnte.

Natürlich wollten wir dort auch ein paar Kleinigkeiten kaufen, um den alten Herrn kennenzulernen, über den wir in einem Reiseführer gelesen hatten.

Zacharias, der genauso alt war wie das Jahrhundert sah ein wenig verlottert aus und roch etwas streng - ebenso wie seine Behausung - aber seine Gastfreundlichkeit, uns mit einem Glas Raki zu begrüssen bleibt uns unvergesslich.
In Ermangelung von Gläsern kredenzte er uns den Schnaps in kleinen Filmdosen, in denen normalerweise Kleinbildfilme verpackt waren.


Der Müller Zacharias am Seli-Ambelu-Pass

Schon ein Jahr später war Zacharias nicht mehr anzutreffen. 
Wir erfuhren, daß er sich in Heraklion im Krankenhaus befand, von wo er nie mehr zurückkehrte.

Unweit der Mühle hatte sich zu dieser Zeit schon eine moderne Taverne mit einem grossen Souvenirgeschäft befunden.

Aufgrund der herrschenden Krise in Griechenland und des erheblich reduzierten Tourismus ist mittlerweile nun selbst das grosse Geschäft seit 2014 geschlossen.

Kafeneio Joannis Pangalos in Hamilo

Auf dem Weg von Agios Nikolaos nach Messa Lakonia durchfährt man das kleine Dorf Hamilo.
Im letzten Haus des Ortes bevor die Strasse im rechten Winkel in die Olivenfelder abknickt, befand sich vor ein paar Jahren noch ein kleines Kafeneio.

Und wie immer konnte ich meine Frau davon überzeugen, dort eines Morgens einmal Halt zu machen und einen kalten Frapé zu trinken.

Während wir unseren Kaffee an einem der beiden Tische in dem kleinen, schattigen Avli (Innenhof) schlürften, setzte sich die Frau des Hauses an den Nebentisch und begann damit, Tomaten, Gurken und andere Feldfrüchte zu schälen, zu zerschneiden und in eine Schüssel zu werfen, die sie vor sich auf dem Schoss hatte.
Zwischendurch nahm sie selbst immer mal wieder ein Stück einer Melone von ihrem Messer ab, steckte es sich in den Mund und ....
... dann spuckte sie die Kürbiskerne in die Schale zum frisch geschnittenen Obst.

Meine Frau flüsterte mir entsetzt zu : " Aber hier essen wir nichts !"

Als alles Obst geschnitten in der Schale lag, stand die Frau auf und fütterte auf der anderen Strassenseite damit ihre Hühner !

Und jedes Mal, wenn wir heute an diesem kleinen schon lange verwaisten Haus vorbeifahren, fällt uns diese Geschichte ein und ich habe das Bild vom freundlichen Wirt Ioannis vor Augen.

Kafeneio in Hamilo  - Gemeinde  Lakonia


Der Großvater in Epano Elounda

Oberhalb des Hafenstädtchens Elounda, welches durch seine teuren Superieur-Hotels bekannt ist, klebt am Berghang der Ursprungsort Epano Elounda.

Bei einem Spaziergang durch die engen Gässchen des Dorfes warf ich auch immer wieder einen Blick durch die Fenster der alten und noch bewohnten Katen.

Bei einem Haus stutzte ich kurz und sagte zu meiner Frau : "Das ist wohl noch ein kleines Geschäft, da müssen wir rein und etwas kaufen ."

In dem kleinen fast höhlenartigen Raum begrüsste uns ein alter gebrechlicher Mann, der sich auf einen geflickten Gehstock stützte.

Ich fragte ihn nach Zigaretten, er nickte und wandte sich einem Regal zu, wo die Zigaretten aber so unerreichbar hoch für ihn lagen, daß ich sie im selbst herausholte.

In einem kurzen Gespräch über die alten Häuser und sein kleines Geschäft bat ich ihn darum, ein Foto von seinem kleinen Lädchen machen zu dürfen, woraufhin er sich auch gleich in Positur stellte.

Als ich Wochen später meine entwickelten Fotos in Deutschland aus dem Fotolabor abholte, durchsuchte ich alle Filme sofort nach diesem Bild, um glücklich feststellen zu können, daß es gut und hell genug geworden war.


Grossvater in Epano Elounda
Zwei Jahre später befand sich kein Geschäft mehr in diesen Gemäuern - nur noch ein kleines Kafeneio. Aber als wir dort noch einmal nach dem Alten fragten, versicherte man uns, es gehe im gut.

Auch das ist nun wieder ein paar Jahre her - das Kafeneio gibt es nicht mehr und auch all die alten Bewohner der Häuser drumherum sind nicht mehr da.
Restlos alle Häuser in dieser Strasse wurden von ausländischen Touristen als Sommerwohnitz gekauft und hergreichtet.

Auf diese Weise ist das urige Dorf am Leben erhalten geblieben und droht nicht wie viele andere entlegenere Dörfer zu verfallen.