Dorfmitte in Avdou
Wer nicht nur an den antiken Epochen Kretas interessiert ist sondern auch an der jüngeren Vergangenheit der Inselbewohner, der kommt an Besuchen der Dörfer abseits der Küste nicht vorbei.
Viele dieser Orte sind nur noch teilweise bewohnt und verfallene Häuser weisen auf ein pulsierendes Leben vor noch einigen Jahrzehnten mit Geschäften und Werkstätten hin.
Der Kulturverein des Dorfes Avdou nahe dem Aposelemi Staudamm hat es sich zur Aufgabe gemacht, an die vergangenen Zeiten zu erinnern.
An vielen Häusern und Ruinen wurden phantasievolle Schilder angebracht, die auf die frühere Nutzung hinweisen, mit den Jahreszahlen und den Namen der ehemaligen Betreiber.

Einheimisches Obst & Gemüse bei David Fisarakis 1950-2002 
Schuhfabrik von Aristidis Papagiannakis (dem Sohn von Pope Kakios) 1925-1950
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| Lebensmittelgeschäft von Emmanuel Pantermarakis 1930-1980 |
Auf diese Weise bleibt den Bewohnern des Dorfes die Erinnerung an mittlerweile meist schon verstorbene Ladeninhaber erhalten und dem ortsfremden Besucher erschliesst sich bei einem Spaziergang durch den kleinen Ort das vergangene Dorfleben, als vom Bäcker bis zum Metzger, vom Arzt bis zum Barbier und vom Blechschmied bis zum Schreiner noch jeder mit wenigen Schritten erreichbar war.

Bäckerei von Emmanuel Chaniotakis 1961-1998 
Tabakwarenhandlung von Aristoteles Tamiolakis 1937-1964 
Café von Konstantinos Pinakoulakis (Somaras) 1960-1993 
Metzgerei der Familie Grammatikakis 1960-1970 und 1990-2005
Mit Hilfe dieser Informationen wird das ehemalige geschäftige Dorfleben transparent und lebt mit ein wenig Phantasie vor dem geistigen Auge wieder auf.

Café und Frisör Zacharias G. Kourmoulakis 1925-1945

Frisörsalon von Ioannis Paschalidis 1930-1955 
Fleischerei von Emmanuel Dafotis & Papadogiannakis Nikolaos 
Schneiderei George D. Kourmoulakis 1950-1966 
Schmiedewerkstatt von Konstantinos Pinakoulakis von G. 1940-1961
Und wer sich nach dem Spaziergang auf ein Getränk oder einen Imbiß in das Kafeneio von Frau Rodanthi Asiminaki in der Dorfmitte begibt, kann durchaus noch auf den einen oder anderen alten Bewohner treffen der von dieser Zeit noch etwas zu erzählen weiß.
So ist es uns auch ergangen, als wir nach unserem Rundgang noch bei Rodanthi einen Frappé getrunken haben. Sie hat sich gleich mit zu uns an den Tisch gesetzt und sich mit uns unterhalten und auch der 93 Jahre alte Pappus am Nebentisch wußte noch so Einiges zu erzählen.
Bei dem netten Gespräch kam jedoch auch zur Sprache, daß ein Großteil der jungen Leute aus dem Dorf mittlerweile in die Großstädte wie Heraklion oder Chania verzogen sind.
Bei unserem Rundgang ist uns allerdings auch aufgefallen, daß schon einige Wohnhäuser wieder renoviert und bewohnt sind.
Besucher aus dem Ausland haben sich hier ein kleines Zweitrefugium geschaffen, um im Urlaub oder aber auch dauerhaft im Rentenalter das Inselleben abseits der Touristenströme geniessen zu können.
Drei Tavernen am Ortsrand und ein kleiner Supermarkt im Herzen des Dorfes sichern auch die Grundversorgung.

Der örtliche Supermarkt in der Dorfmitte
Man kann also hoffen, daß dem Dorf mit den neuen Bewohnern auf Dauer neues Leben eingehaucht werden kann.

Kirche der Hl. Panagia (Mutter Gottes) von 1912 am Ortsrand











